
Auto kaufen ohne Kredit? Für diese Berufe wird das immer schwieriger
Eine Analyse von Autohero zeigt: Viele Vollzeitbeschäftigte in Deutschland können einen durchschnittlichen Gebrauchtwagen nicht mehr allein aus ihren Ersparnissen finanzieren.
Der Autokauf ist für viele Haushalte eine große finanzielle Entscheidung. Hohe Lebenshaltungskosten, steigende Spritpreise und wachsende Kfz-Versicherungskosten belasten das Budget vieler Verbraucher. Gleichzeitig bleibt das Auto für die meisten Menschen im Alltag unverzichtbar. Es wird für den Arbeitsweg, den Wocheneinkauf, Familien- und Arztbesuche oder die Fahrt in den Urlaub gebraucht.
Durchschnittlich 4,8 Jahre lang behalten Autobesitzer ihr Fahrzeug, bevor sie es durch einen Neu- oder anderen Gebrauchtwagen ersetzen. Eigentlich viel Zeit, um Geld für den nächsten Fahrzeugkauf zurückzulegen. Doch wie realistisch ist es für Vollzeitbeschäftigte aktuell noch, einen Gebrauchtwagen allein aus Erspartem zu bezahlen?
Dieser Frage sind wir mit einer theoretischen Beispielrechnung für 20 ausgewählte Berufsgruppen nachgegangen. Grundlage der Analyse waren Median-Bruttogehälter, eine durchschnittliche monatliche Sparquote von 10,3 % sowie der durchschnittliche Verkaufspreis eines Gebrauchtwagens von 17.324 €. Zusätzlich wurde der typische Nutzungszeitraum eines Autos als Sparzeitraum angesetzt (4,8 Jahre bzw. 58 Monate).
So ließ sich berechnen, welche Berufsgruppen sich einen durchschnittlichen Gebrauchtwagen theoretisch allein aus ihren Ersparnissen leisten können, sowie ab welchem Einkommen eine externe Finanzierung für viele Verbraucher zunehmend notwendig wird.
12 von 20 Berufsgruppen erreichen ihr Sparziel nicht rechtzeitig

In Steuerklasse I kann mehr als die Hälfte der untersuchten Berufsgruppen einen durchschnittlichen Gebrauchtwagen nicht allein aus ihren Ersparnissen bezahlen. Dazu zählen ledige, geschiedene und verwitwete Personen.
Am stärksten betroffen ist die Berufsgruppe der Friseure: Nach 58 Monaten Sparzeit erreichen sie in Steuerklasse I nur rund 54 % und in Steuerklasse III lediglich 58 % des benötigten Kaufpreises für einen durchschnittlichen Gebrauchtwagen.
Reinigungskräften, die in Vollzeit arbeiten, fehlen selbst nach 4,8 Jahren Sparzeit noch mehr als 7.000 € bis zum benötigten Kaufpreis eines Gebrauchten.
Nicht alle Berufsgruppen verfehlen das Sparziel so deutlich: So erzielen beispielsweise Dachdecker in der Theorie rund 81 % des benötigten Kaufpreises in der entsprechenden Zeit. Für einen Barkauf reicht es der Berechnung zufolge dennoch nicht. Es fehlen mindestens 1.200 € in Steuerklasse III und circa 3.000 € in Steuerklasse I.
Der klassische Barkauf beim Autokauf wird zunehmend zur Ausnahme
Erst ab einem monatlichen Bruttogehalt von rund 4.800 € wird ein Barkauf in Steuerklasse I innerhalb des typischen Nutzungszeitraums möglich.
Vor allem bei niedrigen und mittleren Einkommen reicht regelmäßiges Sparen häufig nicht mehr aus, um genug Geld für einen durchschnittlichen Gebrauchtwagen zurückzulegen. Davon betroffen sind zum Beispiel Servicekräfte in der Gastronomie, Pflegefachkräfte und auch Hebammen.
Für viele Haushalte wird eine externe Finanzierung dadurch zunehmend zum realistischeren Weg zum eigenen Auto. Neben klassischen Barkäufen gewinnen deshalb Ratenzahlungen und Autokredite für viele Verbraucher an Bedeutung.
Steuerklasse III verbessert die Chancen deutlich

Durch das höhere Nettoeinkommen verringert sich die Schwelle für den Barkauf in Steuerklasse III auf rund 4.100 € brutto pro Monat. In diese Steuerklasse fallen viele Verheiratete und Personen in eingetragenen Lebenspartnerschaften.
Dadurch erreichen unter anderem Pflegefachkräfte und Hebammen das Sparziel innerhalb von 58 Monaten – während dies in Steuerklasse I noch nicht möglich ist.
Auch in Steuerklasse III reicht das Ersparte in 10 von 20 Berufsgruppen weiterhin nicht aus: Fachkräften im Verkauf fehlen nach der angesetzten Sparzeit weiterhin noch rund 4.000 € bis zum durchschnittlichen Kaufpreis eines Gebrauchtwagens.
Akademische Berufe erreichen das Sparziel häufiger
Lehrkräfte, Betriebswirte und IT-Fachkräfte erreichen der Berechnung zufolge das Sparziel theoretisch innerhalb des typischen Nutzungszeitraums.
Lehrkräfte und IT-Fachkräfte in Steuerklasse I mit einer Sparrate von circa 340 € können innerhalb von 58 Monaten bis zu 114 % des benötigten Kaufpreises ansparen, in Steuerklasse III sogar bis zu 130 %.
Damit bleibt ein Autokauf ohne externe Finanzierung für viele Beschäftigte in höheren Einkommensgruppen weiterhin möglich.
Spitzenverdiener sparen deutlich mehr als benötigt
Besonders hohe Einkommensgruppen zeigen deutliche finanzielle Spielräume: Ärzte und Rechtsanwälte sparen innerhalb des typischen Nutzungszeitraums zwischen 141-170 % des benötigten Kaufpreises an. Eine externe Finanzierung wird der Berechnung zufolge nicht benötigt.
Zwar entscheiden sich Spitzenverdiener in der Praxis häufig auch für teurere Fahrzeuge als den angesetzten Durchschnittspreis – gleichzeitig fallen ihre monatlichen Sparbeträge jedoch ebenfalls deutlich höher aus.
Finanzierung wird für viele Teil der Kaufentscheidung
Der klassische Barkauf galt beim Autokauf in Deutschland lange als die bevorzugte Zahlungsweise. Gleichzeitig gewinnen Finanzierungen zunehmend an Bedeutung: Laut einer Umfrage des Bankenfachverbandes wurden 2023 bereits 27 % aller Gebrauchtwagen in Deutschland über Drittmittel finanziert.
Die Ergebnisse der Analyse zeigen, warum sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren verstärken könnte: Für viele Haushalte reicht regelmäßiges Sparen innerhalb eines typischen Nutzungszeitraums nicht mehr aus, um den Kaufpreis eines durchschnittlichen Gebrauchtwagens vollständig anzusparen.
Finanzierungsmodelle wie Ratenkäufe oder Autokredite ermöglichen es Verbrauchern, ein Fahrzeug bereits dann zu erwerben und zu nutzen, bevor der gesamte Kaufpreis angespart wurde. Gerade für diejenigen, die auf das Auto angewiesen sind, wie Berufspendler, Familien oder Menschen im ländlichen Raum, bleibt das Auto trotz steigender Lebenshaltungskosten und Anschaffungspreise weiterhin erreichbar.
Autohero bietet deshalb verschiedene Möglichkeiten, den Fahrzeugkauf flexibler an das eigene Budget anzupassen. Dazu zählen unter anderem klassische Finanzierungen sowie Schlussratenfinanzierung mit unterschiedlichen Laufzeiten und Anzahlungen.
So lassen sich Gebrauchtwagen unter 20.000 € bereits ab etwa 122 € pro Monat über einen Zeitraum von 60 Monaten finanzieren. Höhere Anzahlungen können die monatliche Belastung reduzieren.
Methodik
Für die Analyse wurden 20 verbreitete Berufsgruppen in Deutschland ausgewählt und anhand einer modellhaften Beispielrechnung ausgewertet. Grundlage waren Median-Bruttogehälter (Vollzeit) entsprechend des Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit sowie die durchschnittliche Sparquote privater Haushalte in Deutschland von 10,3 %, gemäß Angaben des Statistischen Bundesamts.
Als Referenzwert für den Fahrzeugkauf wurde der durchschnittliche Preis eines Gebrauchtwagens von 17.324 € angesetzt. Dieser Wert stammt aus internen Daten von Autohero aus dem Jahr 2025. Zusätzlich wurde der durchschnittliche Nutzungszeitraum eines Autos von 4,8 Jahren beziehungsweise 58 Monaten als Sparzeitraum verwendet. Die Quelle hierfür war Carvertical. Die Netto-Gehälter für die Steuerklassen I und III wurden mit dem Brutto-Netto-Rechner der Hans-Böckler-Stiftung ermittelt.
Hinweis zur Methodik: Die Analyse basiert auf standardisierten Durchschnittswerten und bildet individuelle Lebensrealitäten nur vereinfacht ab. Tatsächliche Sparmöglichkeiten können – etwa durch unterschiedliche Wohnkosten, familiäre Verpflichtungen oder persönliche Ausgaben – teilweise deutlich von den modellhaft berechneten Werten abweichen.
Auch der angesetzte Nutzungs- und Sparzeitraum von 58 Monaten basiert auf einem statistischen Durchschnittswert. In der Praxis behalten viele Fahrzeughalter ihr Auto deutlich länger oder kürzer.
Die Auswertung der Steuerklasse III betrachtet ausschließlich das Einkommen der jeweiligen untersuchten Berufsgruppe. Ein möglicher Partner in Steuerklasse V wurde nicht berücksichtigt, da dessen Einkommen und Berufsgruppe individuell variieren und für eine standardisierte Vergleichsrechnung nicht einheitlich abgebildet werden können.