Ein Stau auf einer verschneiten Autobahn während eines Schneesturms

Ab wann Winterreifen? Winterreifenpflicht in Deutschland

Letzte Aktualisierung: 24.03.2026

Bei winterlichen Straßenverhältnissen gelten in Deutschland klare Regeln für die Bereifung. Viele Autofahrer fragen sich, wann Winterreifen tatsächlich vorgeschrieben sind, welche Reifen als zulässig gelten und welche Folgen Verstöße haben können. Dieser Ratgeber erklärt die Winterreifenpflicht verständlich und zeigt, worauf es bei Symbolen, Profiltiefe, Ganzjahresreifen und möglichen Bußgeldern ankommt.

Winterreifen Pflicht: Die wichtigsten Regeln auf einen Blick

  • In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht, keine starre Datumsregel.

  • Maßgeblich sind die tatsächlichen Straßenverhältnisse, nicht der Kalender.

  • Zulässig sind bei winterlichen Verhältnissen nur Reifen mit Alpine-Symbol.

  • Die alte M+S-Kennzeichnung allein reicht nicht mehr aus.

  • Die Pflicht gilt grundsätzlich für Pkw, Lkw und Busse auf allen relevanten Radpositionen.

  • Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm, für Winterreifen sind in der Praxis aber mindestens 4 mm sinnvoll.

  • Bei Verstößen drohen 60 bis 120 Euro Bußgeld und 1 Punkt.

  • Auch der Fahrzeughalter kann belangt werden, wenn er die Fahrt mit ungeeigneter Bereifung anordnet oder zulässt.

Wann gilt die Winterreifenpflicht in Deutschland?

Ein Auto, von hinten auf die Seite gesehen, in einer winterlichen Landschaft mit Winterreifen

Die Winterreifenpflicht ist in Deutschland an die tatsächlichen Bedingungen auf der Straße geknüpft. Sie greift also nicht automatisch ab Oktober und endet auch nicht automatisch an Ostern.

Die situative Winterreifenpflicht einfach erklärt

Sobald du bei winterlichen Straßenverhältnissen fährst, musst du Reifen nutzen, die rechtlich als wintertauglich gelten:

Winterreifen sind immer dann Pflicht, wenn die Straße winterlich ist.

Nicht entscheidend ist, ob der Kalender November oder März zeigt. Entscheidend ist, wie die Fahrbahn beschaffen ist.

Welche Straßenverhältnisse zählen?

Die Pflicht gilt insbesondere bei:

  • Glatteis

  • Schneeglätte

  • Schneematsch

  • Eisglätte

  • Reifglätte

Winterreifenpflicht nach Situation

WettersituationWinterreifen Pflicht?Praktische Einordnung
Trockene Straße, milde TemperaturenNeingesetzlich keine Pflicht
Kalte, aber trockene StraßeNeinkeine Pflicht, Winterreifen können trotzdem sinnvoll sein
SchneematschJapassende Bereifung vorgeschrieben
Schnee auf der FahrbahnJaSommerreifen sind dann unzulässig
Eisglätte oder ReifglätteJanur geeignete Reifen erlaubt

Gilt die Pflicht auch bei kaltem, aber trockenem Wetter?

Nein. Kälte allein löst die Winterreifenpflicht nicht aus. Wenn die Straße trocken und nicht winterlich glatt ist, besteht rechtlich keine Pflicht.

Trotzdem kann ein früher Wechsel sinnvoll sein, wenn Frost, Schnee oder schnelle Wetterumschwünge absehbar sind.

Ab wann Winterreifen wechseln?

Auch wenn es keine feste Datumsregel gibt, wollen die meisten Fahrer wissen, wann Winterreifen wechseln sinnvoll ist. Hier hilft eine bekannte Faustregel.

O-bis-O-Regel als Orientierung

Viele orientieren sich an:

von Oktober bis Ostern

Diese O-bis-O-Regel ist keine gesetzliche Vorschrift, aber eine praktische Planungshilfe. Sie hilft, nicht erst dann zu wechseln, wenn der erste Schneefall schon da ist.

Ein Autohero-Mechaniker montiert einen neuen Reifen an einem Auto

Wann Winterreifen wirklich sinnvoll sind

Der Wechsel ist meist sinnvoll, wenn:

  • die Temperaturen dauerhaft sinken

  • nachts Frost möglich ist

  • du früh morgens oder spät abends fährst

  • du auf Landstraßen oder in höheren Lagen unterwegs bist

Wann Sommerreifen im Winter problematisch werden

Sommerreifen verhärten bei Kälte stärker. Dadurch verschlechtern sich:

  • Grip

  • Bremsweg

  • Traktion

  • Fahrstabilität

Gerade bei Nässe, Matsch oder Glätte ist das sicherheitsrelevant.

Welche Winterreifen sind gesetzlich zulässig?

Nicht jeder Reifen, der wintertauglich wirkt oder früher einmal als Winterreifen galt, ist heute noch zulässig.

Winterreifen Symbol: Alpine-Symbol und Schneeflocke

Bei winterlichen Straßenverhältnissen zulässig sind Reifen mit dem Alpine-Symbol. Gemeint ist das Bergpiktogramm mit Schneeflocke.

Das Alpine-Symbol mit Schneeflocke und der M+S-Aufdruck eines Winterreifens.

Das Alpine-Symbol mit Schneeflocke und der M+S-Aufdruck eines Winterreifens.

Dieses Symbol zeigt, dass der Reifen definierte Anforderungen für winterliche Bedingungen erfüllt.

Unterschied zwischen M+S und Alpine-Symbol

Die alte Kennzeichnung M+S reicht heute nicht mehr allein aus. Für die Winterreifenpflicht in Deutschland zählt das Alpine-Symbol.

Sind Ganzjahresreifen erlaubt?

Ja, Ganzjahresreifen sind erlaubt, wenn sie das Alpine-Symbol tragen.

Damit können sie die Winterreifenpflicht erfüllen.

Ob Ganzjahresreifen die beste Wahl sind, hängt aber stark ab von:

  • deinem Fahrprofil

  • deiner Region

  • der jährlichen Laufleistung

  • den typischen Winterbedingungen vor Ort

Mindestprofiltiefe bei Winterreifen

Gesetz und Praxis sind nicht dasselbe.

Gesetzliche Mindestprofiltiefe

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 mm.

Was Experten für den Winter empfehlen

Für Winterreifen gelten 4 mm als sinnvolle Untergrenze in der Praxis. Unterhalb davon lässt die Leistung auf Schnee und Matsch deutlich nach.

Warum Profil im Winter besonders wichtig ist

Das Profil muss Wasser, Schneematsch und Schnee ableiten und verzahnen. Weniger Profil bedeutet:

  • längerer Bremsweg

  • schlechtere Spurtreue

  • weniger Traktion

  • höheres Aquaplaning-Risiko

Wie alt dürfen Winterreifen sein?

Eine starre gesetzliche Altersgrenze für Winterreifen gibt es in Deutschland grundsätzlich nicht. Trotzdem ist das Reifenalter sehr wichtig.

Reifenalter über die DOT-Nummer erkennen

Das Alter erkennst du an der DOT-Nummer auf der Reifenflanke.

Beispiel:

  • DOT 3923 = produziert in der 39. Kalenderwoche 2023

Wann alte Winterreifen kritisch werden

Mit den Jahren härtet das Gummi aus. Dann sinkt die Haftung, besonders bei Kälte. Viele Fachquellen und Automobilclubs raten dazu, Winterreifen nicht zu lange zu nutzen und ältere Reifen besonders kritisch zu prüfen.

Wichtig sind vor allem:

  • Alter

  • Profiltiefe

  • sichtbare Risse

  • Verhärtung

  • ungleichmäßige Abnutzung

Winterreifen im Sommer fahren: Was hat das zur Folge?

Rechtlich sind Winterreifen im Sommer in Deutschland grundsätzlich nicht verboten. Technisch ist es aber oft die schlechtere Lösung.

Bremsweg, Verschleiß und Fahrverhalten

Winterreifen sind für niedrige Temperaturen ausgelegt. Im Sommer kann das zu Nachteilen führen:

  • längerer Bremsweg bei Wärme

  • schnellerer Verschleiß

  • schwammigeres Fahrgefühl

  • oft höherer Rollwiderstand

  • teilweise mehr Verbrauch und Geräuschentwicklung

Ist das rechtlich erlaubt?

Ja, grundsätzlich schon. Es gibt kein allgemeines Sommerverbot für Winterreifen.

Wann es besonders ungünstig ist

Vor allem bei:

  • hohen Temperaturen

  • langen Autobahnfahrten

  • sportlicher Fahrweise

  • hoher Jahresfahrleistung

sind Winterreifen im Sommer meist keine gute Idee.

Was ist nach dem Anbau von Winterreifen zu beachten?

Nach dem Wechsel solltest du ein paar Punkte unbedingt prüfen.

Reifendruck prüfen

Der richtige Reifendruck ist wichtig für:

  • Sicherheit

  • Verschleiß

  • Verbrauch

  • Fahrverhalten

Geschwindigkeitsindex beachten

Hier geht's um den zulässigen Geschwindigkeitsindex des Reifens. Er muss zur Nutzung passen. Falls die zulässige Reifengeschwindigkeit unter der Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs liegt, muss die Begrenzung für den Fahrer erkennbar sein oder im Fahrzeug entsprechend angezeigt werden.

Radschrauben nachziehen

Nach einem Radwechsel sollten die Schrauben nach etwa 50 bis 100 km kontrolliert und gegebenenfalls nachgezogen werden.

Profiltiefe und Zustand kontrollieren

Vor dem Winter solltest du prüfen:

  • Profiltiefe

  • Reifenalter

  • sichtbare Schäden

  • gleichmäßige Abnutzung

  • richtige Kennzeichnung

Checkliste nach dem Winterreifenwechsel

PrüfpunkteWarum?
Reifendruck kontrollierenfür Sicherheit und gleichmäßigen Verschleiß
Profiltiefe prüfenfür Grip auf Schnee und Matsch
Alpine-Symbol kontrollierenfür die rechtliche Zulässigkeit
DOT-Nummer prüfenum zu alte Reifen zu erkennen
Radschrauben nachziehendamit die Räder sicher befestigt bleiben
Geschwindigkeitsfreigabe beachtendamit Reifen und Fahrzeug zusammenpassen

Bußgeld bei Verstoß gegen die Winterreifenpflicht

Wer bei winterlichen Straßenverhältnissen mit ungeeigneten Reifen fährt, muss mit Sanktionen rechnen.

Bußgelder und Folgen

VerstoßMögliche Folge
Fahren ohne zulässige Winterreifen bei winterlichen Verhältnissen60 € Bußgeld + 1 Punkt
Verstoß mit Behinderung anderer80 € Bußgeld + 1 Punkt
Verstoß mit Gefährdung anderer100 € Bußgeld + 1 Punkt
Verstoß mit Unfallfolge120 € Bußgeld + 1 Punkt

Wann es teurer wird

Sobald andere behindert, gefährdet oder ein Unfall verursacht wird, steigen die Folgen deutlich.

Punkt in Flensburg und Halterverantwortung

Neben dem Bußgeld droht in den genannten Fällen ein Punkt in Flensburg.

Außerdem kann nicht nur der Fahrer betroffen sein, sondern auch der Fahrzeughalter.

Versicherung und Haftung: Was passiert bei einem Unfall?

Nicht jeder Unfall ohne passende Bereifung führt automatisch zu einem vollständigen Verlust des Versicherungsschutzes. Das Thema ist aber riskant.

Auswirkungen auf Haftung

Wenn du mit ungeeigneten Reifen unterwegs bist und es zum Unfall kommt, kann das bei der Haftungsfrage negativ ausgelegt werden. Eine Mitschuld ist möglich.

Was bei Kasko und Mitschuld relevant werden kann

Je nach Einzelfall kann auch die Kaskoversicherung prüfen, ob grobe Fahrlässigkeit vorliegt oder ob Leistungen gekürzt werden. Gerade deshalb sollte das Thema nicht nur als Bußgeldfrage betrachtet werden.

Fazit: Winterreifen rechtzeitig prüfen und passend wechseln

Ein Kfz-Mechaniker überprüft einen Reifen eines Autos im Autohero-Aufbereitungszentrum.

Die Winterreifenpflicht in Deutschland ist keine starre Kalenderregel. Entscheidend sind die tatsächlichen Straßenverhältnisse. Sobald Schnee, Matsch oder Glätte ins Spiel kommen, brauchst du zulässige Reifen mit Alpine-Symbol.

Für den Alltag heißt das:

  • nicht auf ein fixes Datum verlassen

  • Profiltiefe und Reifenalter rechtzeitig prüfen

  • Ganzjahresreifen nur dann nutzen, wenn sie passend gekennzeichnet und für dein Fahrprofil sinnvoll sind

  • Bußgeld, Punkt und mögliche Haftungsrisiken nicht unterschätzen

Wer früh plant, fährt im Winter nicht nur gesetzeskonform, sondern vor allem sicherer.

Häufig gestellte Fragen

Winterreifen sind in Deutschland immer dann Pflicht, wenn winterliche Straßenverhältnisse herrschen, also etwa bei Schnee, Schneematsch oder Glätte.
Viele orientieren sich an der O-bis-O-Regel von Oktober bis Ostern. Gesetzlich bindend ist diese Faustregel nicht, praktisch aber oft sinnvoll.
Es gibt keine starre gesetzliche Altersgrenze. Mit zunehmendem Alter verlieren Reifen aber an Leistungsfähigkeit. Die DOT-Nummer hilft bei der Einordnung.
Gesetzlich sind 1,6 mm vorgeschrieben. Für Winterreifen gelten 4 mm in der Praxis meist als deutlich sinnvoller.
Ja, erlaubt ist das grundsätzlich. Technisch bringt es aber Nachteile wie mehr Verschleiß und oft schlechteres Fahrverhalten bei Wärme.
Erforderlich ist das Alpine-Symbol, also das Bergpiktogramm mit Schneeflocke.
Wichtig sind vor allem: Reifendruck prüfen, Profiltiefe kontrollieren, Schrauben nachziehen, Geschwindigkeitsfreigabe beachten, und Kennzeichnung und Zustand prüfen.

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