Auto aus der Schweiz kaufen: Was kostet der Import wirklich?

Autor: Thomas Seegers

Letzte Aktualisierung: 29.06.2026

Ein Auto aus der Schweiz kann eine attraktive Option sein – gepflegte Fahrzeuge, oft lückenlose Servicehistorien und manchmal echte Preisvorteile. Doch die Schweiz ist kein EU-Mitglied, und das macht einen entscheidenden Unterschied: Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und ein aufwendiger Papierkram warten auf dich. Dieser Artikel zeigt dir, welche Kosten anfallen, welche Dokumente du brauchst und wann sich der Import wirklich lohnt.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Die Schweiz gehört nicht zum EU-Zollgebiet – ein Import ist kein normaler EU-Binnenkauf.

  • Es fallen grundsätzlich 10 % Einfuhrzoll und 19 % Einfuhrumsatzsteuer in Deutschland an.

  • Mit einem gültigen Präferenznachweis (EUR.1) kann der 10 %-Zoll entfallen.

  • Für die deutsche Zulassung brauchst du COC-Papier oder eine Vollabnahme, Zollnachweis und HU/AU.

  • Die Gesamtkosten übersteigen den Schweizer Listenpreis oft erheblich – eine genaue Kalkulation ist Pflicht.

Warum ist die Schweiz kein normaler Importmarkt?

Viele Käufer glauben, ein Auto aus der Schweiz zu importieren sei so einfach wie aus Frankreich oder den Niederlanden – das ist ein Irrtum. Die Schweiz ist kein Teil des EU-Zoll- und Steuergebiets!

Sobald du das Fahrzeug über die Grenze bringst, gilt es als Drittland-Einfuhr: Zollanmeldung, Einfuhrumsatzsteuer und ggf. Zoll. Wer das nicht auf dem Schirm hat, erlebt böse Überraschungen – spätestens an der Grenze oder bei der Zulassungsstelle.

Was kostet der Import? Zoll und Einfuhrumsatzsteuer einfach erklärt

Diese Abgaben fallen grundsätzlich an:

  • Einfuhrumsatzsteuer: 19 % (immer, auf den kompletten Zollwert)

  • Einfuhrzoll: 10 % (gilt grundsätzlich für PKW)

Der Zoll wird auf den Kaufpreis berechnet, die Umsatzsteuer dann auf den Kaufpreis plus Zoll. Es zählt: erst Zoll, dann Steuer.

Wann entfällt der Zoll?

Mit einem gültigen Präferenznachweis (EUR.1) entfällt der 10 %-Zoll. Es gibt zwei Varianten:

  • Mit einer Warenverkehrsbescheinigung EUR.1

  • Oder mit einer Ursprungserklärung direkt auf der Rechnung (bei Kaufpreisen bis 6.000 Euro)

Achtung: Nicht jedes Schweizer Auto hat automatisch „Schweizer Ursprung“. Das muss der Verkäufer nachweisen. Die Einfuhrumsatzsteuer bleibt auch mit Präferenznachweis erforderlich.

Beispielrechnung:

PositionOhne PräferenznachweisMit EUR.1
Kaufpreis20.000 €20.000 €
Einfuhrzoll (10 %)2.000 €0 €
Zwischensumme22.000 €20.000 €
Einfuhrumsatzsteuer (19 %)4.180 €3.800 €
Summe Abgaben6.180 €3.800 €
Gesamtkosten26.180 €23.800 €

Der Unterschied: über 2.000 Euro allein durch den Präferenznachweis!

Welche Unterlagen brauchst du beim Kauf in der Schweiz?

Du brauchst u.a.:

  • Kaufvertrag / Rechnung (als Eigentums- und Nachweis für die Steuerbemessung)

  • Schweizer Fahrzeugausweis (Original)

  • COC-Papier (EG-Übereinstimmungsbescheinigung)

  • EUR.1 oder Ursprungserklärung

  • Ausfuhrnachweis Schweiz (vom BAZG)

  • Einfuhrabgabenbescheid (Deutschland)

  • HU/AU-Nachweis

  • eVB-Nummer (Versicherungsbestätigung für Zulassung)

Achtung: Den Fahrzeugschein brauchst du im Original, dieser wird bei der Ausfuhr beim Schweizer Zoll entwertet!

Wie läuft die Schweizer Ausfuhr und Einfuhr ab?

1. Fahrzeug prüfen und kaufen:

Kaufvertrag unterschreiben, COC-Papier und Ausweis sichern, Präferenznachweis klären.

2. Ausfuhr in der Schweiz anmelden:

Beim Zoll (BAZG) anmelden, Ausweis wird dort annulliert.

3. Überführung nach Deutschland:

  • Meist mit Schweizer Zollkennzeichen (provisorische Kurzzeitzulassung für Eigenüberführung)

  • Oder per Spedition/Trailer Normale deutsche Kurzzeitkennzeichen gehen hier grundsätzlich nicht!

4. Einfuhrzollanmeldung in Deutschland:

An der Grenze oder online anmelden, Abgaben bezahlen. Den Bescheid aufbewahren!

5. Technische Prüfung und Zulassung:

Mit allen Unterlagen, inkl. deutscher HU/AU, zur Zulassungsstelle gehen. Schweizer MFK ersetzt die deutsche Hauptuntersuchung NICHT.

Was ist mit dem COC-Papier und der Vollabnahme?

Das COC (Certificate of Conformity) belegt, dass das Auto nach europäischem Typgenehmigungsrecht gebaut ist. Ohne COC brauchst du eine Vollabnahme nach § 21 StVZO (umfangreicher und teurer als eine normale HU).

Bei vielen Schweizer Autos ist das COC vorhanden – prüfe das VOR Kauf!

Was kostet ein Schweizer Auto in der Gesamtrechnung?

Denk daran:

  • Kaufpreis (ggf. in CHF → EUR umrechnen)

  • Schweizer MwSt.: Kann ggf. nach Export rückerstattet werden (nur Händler), privat meist nicht relevant

  • Einfuhrzoll (meist 10 %), entfällt mit EUR.1

  • Einfuhrumsatzsteuer (19 %)

  • Überführung/Transport: Zollkennzeichen, Spedition oder Trailer

  • HU/AU (TÜV/DEKRA): Die MFK reicht für Deutschland nicht!

  • COC oder Vollabnahme: Ohne COC wird's richtig teuer

  • Zulassung/Kennzeichen

Tipp zur Schweizer MwSt.:

Beim Händlerkauf kann die Schweizer MwSt. (aktuell 8,1 %) abgezogen oder rückerstattet werden, sofern der Händler mitmacht und du einen Exportnachweis vorlegst.

Händlerkauf oder Privatkauf in der Schweiz?

ThemaSchweizer HändlerSchweizer Privatverkäufer
DokumenteProfessionell, vollständigVertrag selbst machen
MehrwertsteuerRelevanz, evtl. Erstattung möglichKeine ausweisbare MwSt.
GewährleistungVertraglich geregeltStark eingeschränkt
ExportabwicklungOft mit UnterstützungKäufer muss vieles selbst tun
RisikoGeringerHöher

Käufer ohne Importerfahrung sind beim Händler meist besser aufgehoben.

Checkliste: Auto aus der Schweiz kaufen

Vor dem Kauf:

  • Kalkuliere alle Importkosten!

  • Kläre, ob EUR.1/Ursprungserklärung verfügbar ist.

  • Prüfe das COC-Papier beim Verkäufer.

  • Schweizer Fahrzeugschein im Original?

  • VIN am Auto mit Papieren abgleichen!

  • Serviceheft und Schweizer MFK-Berichte sichten.

  • Prüfe alle Umbauten auf Zulassungsfähigkeit in D.

  • Klär die MWSt.-Situation beim Händler!

Für Import und Zulassung:

  • Melde die Ausfuhr bei BAZG an.

  • Überführung organisieren (Kennzeichen oder Transport).

  • Anmeldung beim deutschen Zoll, Bescheid sichern.

  • HU/AU in D machen.

  • Zulassungsstelle anrufen, welche Unterlagen gefordert sind.

  • eVB-Nummer besorgen.

Wann lohnt sich ein Auto aus der Schweiz wirklich?

Es lohnt sich vor allem bei:

  • Seltenen Modellen/Ausstattung

  • Hochpreisigen Fahrzeugen

  • Oldtimern mit top Pflege

  • Spezialausstattung, die es in D kaum gibt

Bei Alltagsfahrzeugen rechtfertigen bürokratischer Aufwand und Kosten den Import selten.

Weniger Aufwand mit Autohero

Wer ohne Komplexität kaufen will, setzt auf Plattformen wie Autohero: Zertifizierte, optisch und technisch geprüfte Autos aus Europa, mit 1 Jahr Garantie und 21 Tagen Geld-zurück – ohne Zoll, Zollkennzeichen oder teure Einzelabnahmen.

Häufige Fragen zum Auto aus der Schweiz kaufen

Fast immer 10 % Zoll – entfällt nur mit EUR.1/Ursprungserklärung. Die 19 % Einfuhrumsatzsteuer sind aber immer fällig!
Nein. In Deutschland ist immer eine HU/AU von TÜV, DEKRA etc. notwendig.
Dann brauchst du eine teure und zeitaufwendige Vollabnahme (§ 21 StVZO) vom TÜV/DEKRA.
Nein, das geht fast nie problemlos. Nutze provisorische Schweizer Zollkennzeichen oder Transport/Spedition.
Nur bei sehr seltenen, gesuchten oder besonders guten Modellen/Oldtimern. Mittelklasse-Import rechnet sich meistens nicht.

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