Auto aus der Türkei nach Deutschland importieren: Was du wirklich wissen musst

Autor: Thomas Seegers

Letzte Aktualisierung: 29.06.2026

Ein Auto aus der Türkei nach Deutschland zu importieren ist grundsätzlich möglich – aber deutlich aufwendiger als ein Kauf innerhalb der EU. Zoll, Einfuhrumsatzsteuer, fehlende COC-Papiere und technische Prüfungen können das Projekt schnell zu einem Fulltime-Job machen. Dieser Artikel zeigt dir Schritt für Schritt, was wirklich auf dich zukommt.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Die Türkei ist kein EU-Mitglied – Zollanmeldung und Einfuhrumsatzsteuer (19 %) sind grundsätzlich fällig

  • Mit einer gültigen A.TR-Warenverkehrsbescheinigung kann der Zollsatz entfallen – aber das passiert nicht automatisch

  • Viele türkische Fahrzeuge haben kein COC-Papier; fehlt es, droht eine kostspielige Vollabnahme nach § 21 StVZO

  • Transport, Zollabgaben und technische Prüfungen können den vermeintlichen Preisvorteil schnell zunichtemachen

  • Wer einen geprüften Gebrauchtwagen ohne bürokratischen Aufwand sucht, ist mit einem europäischen Händler wie Autohero oft deutlich besser dran

Türkei-Import: Drittland mit Sonderrolle

Die Türkei ist kein EU-Mitglied. Das klingt simpel, hat aber weitreichende Konsequenzen. Anders als beim Kauf eines Gebrauchtwagens aus Italien, Frankreich oder Belgien handelt es sich beim Import aus der Türkei um eine Einfuhr aus einem Drittstaat. Das bedeutet: Zollanmeldung, Einfuhrumsatzsteuer und technische Prüfungen für die deutsche Zulassung.

Gleichzeitig gibt es eine Besonderheit: Die Türkei ist durch ein Zollunionsabkommen mit der EU verbunden. Für bestimmte Waren – darunter unter bestimmten Voraussetzungen auch Fahrzeuge – kann die Warenverkehrsbescheinigung A.TR den Zollsatz reduzieren oder ganz aufheben. A.TR ist aber kein Freifahrtschein und kein Ursprungsnachweis. Sie belegt lediglich, dass sich die Ware im zollrechtlich freien Verkehr befindet. Ob sie für dein Fahrzeug greift, hängt vom Einzelfall ab – und sollte vorab mit einem Zollagenten oder der zuständigen Hauptzollstelle geklärt werden.

Was kostet der Import wirklich? Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und mehr

Der größte Irrtum beim Türkei-Import: Der Kaufpreis ist nicht der Gesamtpreis. Folgende Kostenblöcke kommen noch dazu:

KostenblockHinweis
KaufpreisWährungsrisiko TRY/EUR einkalkulieren
Transport (Spedition, RoRo, Container)Je nach Route und Methode erheblich
ZollabfertigungSelbst oder über Dienstleister
Zoll (Drittlandssatz Pkw)Häufig 10 %, wenn keine gültige A.TR greift
EinfuhrumsatzsteuerGrundsätzlich 19 % auf Zollwert + Transport
COC-Beschaffung oder DatenblattFalls nicht vorhanden
Vollabnahme nach § 21 StVZOBei fehlender Typgenehmigung
Hauptuntersuchung (HU) und AUFür deutsche Zulassung erforderlich
Zulassung, Kennzeichen, VerwaltungsgebührenAbhängig von Zulassungsstelle
Eventuelle Umbauten (Licht, Abgas, Reifen)Werden häufig unterschätzt

Rechenbeispiel:

Bei einem Fahrzeug mit einem Kaufpreis von 15.000 Euro und Transportkosten von 1.500 Euro fallen ohne gültige A.TR schnell 10 % Zoll (1.650 Euro) plus 19 % Einfuhrumsatzsteuer auf den Zollwert (rund 3.130 Euro) an – und das noch bevor du auch nur einen Schraubenzieher angesetzt hast. Der vermeintliche Preisvorteil gegenüber dem deutschen Markt kann sich so schnell in Luft auflösen.

A.TR, COC und § 21 StVZO: Die drei Dokumente, die über alles entscheiden

Was ist die A.TR und wann hilft sie?

Die A.TR-Warenverkehrsbescheinigung ist ein zollrechtliches Dokument im Handel zwischen der EU und der Türkei. Sie belegt, dass eine Ware im freien Verkehr der Türkei oder der EU war. Liegt sie vor und sind alle Voraussetzungen erfüllt, kann der Zollsatz entfallen. Liegt sie nicht vor, greift der reguläre Drittlandszollsatz – bei Pkw häufig 10 %.

Wichtig: A.TR ist kein Selbstläufer. Der Verkäufer muss die Bescheinigung ausstellen oder beschaffen, und nicht jedes Fahrzeug qualifiziert sich dafür. Im Zweifel gilt: vor dem Kauf einen Zollagenten fragen.

Das COC-Papier: Ohne es wird es teuer

Das Certificate of Conformity (COC) ist die EG-Übereinstimmungsbescheinigung. Es belegt, dass ein Fahrzeug einem genehmigten Typ entspricht und die EU-Normen erfüllt. Bei Fahrzeugen aus dem europäischen Handel ist das COC in der Regel vorhanden. Bei türkischen Marktversionen – also Fahrzeugen, die speziell für den türkischen Markt ausgelegt wurden – ist das oft nicht der Fall.

Fehlt das COC, musst du entweder beim Hersteller ein Duplikat beschaffen (möglich, aber nicht immer erfolgreich) oder eine Vollabnahme nach § 21 StVZO durchführen lassen. Das bedeutet: technisches Gutachten durch einen anerkannten Prüfer, mögliche Umbauten und zusätzliche Kosten von mehreren Hundert bis über tausend Euro.

Wann greift die Vollabnahme nach § 21 StVZO?

Immer dann, wenn ein Fahrzeug keine gültige EG-Typgenehmigung hat oder das COC fehlt. Der Prüfer untersucht, ob das Fahrzeug den deutschen Zulassungsvorschriften entspricht. Dabei werden Abgasnormen, Beleuchtung, Reifen und Abmessungen genau unter die Lupe genommen. Entspricht das Fahrzeug nicht den Vorschriften, sind Umbauten nötig – auf deine Kosten.

Schritt für Schritt: So läuft der Import ab

1. Fahrzeug und Verkäufer prüfen

Fahrgestellnummer (VIN) mit Fahrzeugschein und Fahrzeug abgleichen. Eigentumsverhältnisse klären. COC-Verfügbarkeit vorab beim Hersteller anfragen. Kilometerstand und Unfallhistorie schriftlich bestätigen lassen.

2. A.TR und Zollkosten vorab klären

Nicht auf Versprechen des Verkäufers verlassen. Besser einen Zollagenten oder das Hauptzollamt einschalten. Einfuhrumsatzsteuer und mögliche Zollsätze vorab durchrechnen.

3. Kaufvertrag abschließen

Kaufpreis in Euro oder mit fixiertem Wechselkurs vereinbaren. Alle relevanten Fahrzeugdaten, Mängel und Exportverpflichtungen schriftlich festhalten. Zahlung erst nach Dokumentenprüfung leisten.

4. Transport organisieren

Optionen: Spedition auf der Straße, RoRo-Fähre (z. B. von Izmir nach Triest oder Bremerhaven) oder geschlossener LKW-Transport. Für jede Variante gilt: Transportversicherung abschließen. Die eigenständige Überführung auf eigener Achse durch mehrere Transitländer ist aufwendig und rechtlich komplex.

5. Zollanmeldung in Deutschland

Nach der Einreise Zollanmeldung beim zuständigen Hauptzollamt stellen. Der Zollwert ergibt sich aus dem Kaufpreis plus Transportkosten bis zur EU-Grenze. Den Abgabenbescheid unbedingt aufbewahren – er wird für die spätere Zulassung gebraucht.

6. Technische Prüfung

COC vorhanden: einfachere Zulassung möglich. Kein COC: Vollabnahme nach § 21 StVZO, ggf. mit Umbauten. Danach folgen HU und AU für die Zulassung.

7. Zulassung in Deutschland

Zulassungsstelle mit vollständigen Unterlagen aufsuchen. Welche Dokumente genau verlangt werden, kann je nach Behörde variieren – ein kurzer Anruf vorher spart Zeit und Nerven.

Welche Unterlagen brauche ich für die Zulassung?

UnterlageStatus
Kaufvertrag oder RechnungPflicht
Türkische Fahrzeugpapiere im OriginalPflicht
Einfuhrabgabenbescheid (Zollnachweis)Pflicht
COC-Papier oder technisches DatenblattSehr wichtig
Vollabnahme-Gutachten nach § 21 StVZOBei fehlendem COC
HU- und AU-NachweisIn der Regel erforderlich
Personalausweis oder ReisepassPflicht
Elektronische Versicherungsbestätigung (eVB)Pflicht
SEPA-Mandat für Kfz-SteuerPflicht
Übersetzung türkischer DokumenteJe nach Zulassungsstelle

Lohnt sich der Import überhaupt?

Das ist die ehrlichste Frage beim ganzen Thema – und die Antwort lautet meistens: nur in Ausnahmefällen.

Sinnvoll ist der Import vor allem bei seltenen Fahrzeugen oder Liebhabermodellen, die auf dem deutschen Markt einfach nicht zu bekommen sind. Oder wenn du als Rückkehrer dein eigenes Fahrzeug mitbringst – in diesem Fall können Sonderregelungen für Umzugsgut greifen, die Zoll und Einfuhrumsatzsteuer reduzieren oder sogar erlassen.

Für den normalen Gebrauchtwagenkauf hingegen gilt: Der europäische Gebrauchtwagenmarkt ist groß, transparent und rechtlich deutlich besser abgesichert. Ein Händler innerhalb der EU bietet Gewährleistung nach deutschem oder EU-Recht, ein COC ist Standard, und der Verwaltungsaufwand für die Zulassung ist ein Bruchteil dessen, was ein Türkei-Import erfordert.

Wer sich den bürokratischen Aufwand sparen möchte, findet bei Autohero eine große Auswahl geprüfter und aufbereiteter Gebrauchtwagen aus dem europäischen Händlernetz – mit transparenten Festpreisen, 1-Jahr-Garantie und 21-Tage-Geld-zurück-Garantie. Kein Zoll, kein Vollgutachten, keine bösen Überraschungen.

Häufige Fragen zum Autoimport aus der Türkei

Das hängt davon ab, ob eine gültige A.TR-Warenverkehrsbescheinigung vorliegt. Ohne sie gilt der reguläre Drittlandszollsatz – bei Pkw häufig 10 %. Hinzu kommen grundsätzlich 19 % Einfuhrumsatzsteuer. Es lohnt sich, vorab einen Zollagenten einzuschalten.
A.TR ist ein Zolldokument, das den Freiverkehrsstatus der Ware belegt – es kann den Zollsatz reduzieren. COC ist die EG-Übereinstimmungsbescheinigung, die für die technische Zulassung in Deutschland benötigt wird. Beide Dokumente haben völlig unterschiedliche Funktionen und ersetzen sich nicht gegenseitig.
Ja, aber es wird teurer und aufwendiger. Ohne COC ist in der Regel eine Vollabnahme nach § 21 StVZO erforderlich, die ein technisches Gutachten umfasst und möglicherweise Umbauten nach sich zieht.
Für private Reisende gilt in der Regel eine vorübergehende Verwendung von bis zu 6 Monaten. Wer das Fahrzeug dauerhaft in Deutschland nutzen und zulassen möchte, muss es ordnungsgemäß einführen und verzollen.
Händler bieten in der Regel mehr Sicherheit, da sie Exporterfahrung haben und die nötigen Dokumente kennen. Beim Privatkauf ist das Betrugsrisiko höher und die Rechtsdurchsetzung aus Deutschland heraus deutlich schwieriger.
Eine technische Einzelprüfung für Fahrzeuge ohne gültige EG-Typgenehmigung. Ein anerkannter Prüfer (TÜV, DEKRA, GTÜ) begutachtet das Fahrzeug vollständig auf Übereinstimmung mit den deutschen Zulassungsvorschriften. Die Kosten liegen je nach Fahrzeug und eventuellem Umbaubedarf bei mehreren Hundert bis über tausend Euro.

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